Bestandsdatenblatt

Norwegischer Küsten-Kabeljau

Gültig 06/2016 - 06/2017

Aktualisierung in Arbeit (seit 2021 zwei Bestände)

Allgemeine Informationen

Ökoregion:Barentsmeer (Nordost-Arktis), Norwegische See
Fanggebiet:Nordost-Arktis und Norw. See (1, 2.ab) FAO 27 (Nordostatlantik)
Art:Gadus morhua

Wissenschaftliche Begutachtung

Internationaler Rat für Meeresforschung (ICES), Kopenhagen, www.ices.dk

Methode, Frequenz

Jährliche Bestandsberechnung unter Verwendung von Fangdaten und einer unabhängigen wissenschaftlichen Forschungsreise (Akustik-Survey). Referenzwerte nach dem Vorsorgeansatz und dem Konzept des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages sind nicht festgelegt; im Wiederaufbauplan sind aber Referenzwerte für Laicherbiomasse und Fischereiliche Sterblichkeit definiert. Die Fangempfehlung basiert auf dem Wiederaufbauplan, der die Reduzierung des Fischereidruckes in Abhängigkeit von der Biomasseberechnung aus dem Herbst-Survey vorsieht. [939] [942]

Wesentliche Punkte

2016: Der Zustand dieses Bestandes hat sich nach zwei Jahren der Verbesserung wieder verschlechtert, er liegt weit außerhalb der Managementziele. Die Biomasse lag 2015 wieder nah am historischen Tiefstwert, der Fischereidruck ist gestiegen. [939] [942]

Bestands­zustand

Laicherbiomasse (Reproduktionskapazität)

    Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach Managementplan)

    Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Fischereiliche Sterblichkeit

  Referenzwerte nicht definiert (nach Vorsorgeansatz)

  außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwert (nach Managementplan)

  Referenzwerte nicht definiert (nach höchstem Dauerertrag)

 

Bestands­entwicklung

Dieser Bestand kann, insbesondere im ersten Halbjahr, gemeinsam mit dem Nordost-Arktischen Kabeljau gefangen werden. Eine Trennung der Bestände in den Fängen der kommerziellen Fischerei erfolgt am Ende eines Fischereijahres durch wissenschaftliche Analysen (siehe auch unter „Biologische Besonderheiten“). Diese Berechnung erfolgte rückwirkend bis 1984. Die Anlandungen der Berufsfischerei variierten zwischen 22.000 und 75.000 t. 2004 bis 2010 waren sie relativ stabil (22.000-26.000 t), lagen 2012 und 2015 aber höher (bei 32.000 und 39.000 t). Die (grundsätzlich nicht gemeldeten) Fänge der Freizeitfischerei werden geschätzt (zwischen 12.700 und 16.100 t). Die Regularien zum Schutz dieses Bestandes führten nach 2004 nicht zu einer Reduzierung der Anlandungen im vorgesehenen Umfang. Die Laicherbiomasse liegt wieder nahe dem historischen Tiefpunkt. Die Nachwuchsproduktion ist in den letzten Jahren gering. [939] [942]

Ausblick

Der Zustand des Bestandes erfordert weiterhin eine strikte Einhaltung des Erholungsplanes und somit eine Reduzierung des Fischereidruckes. Die Bewirtschaftung erfolgt aber über eine erwartete Fangmenge, die in der norwegischen Quote für den Nordost-Arktischen Kabeljau ausgewiesen wird und seit 12 Jahren konstant ist. Bei der derzeit schwachen Nachwuchsproduktion ist eine schnelle Erholung nicht zu erwarten. [39] [939] [942]

Umwelt­einflüsse auf den Bestand

Kabeljau ist stark von der Verfügbarkeit kleiner Schwarmfische abhängig, vor allem von der Lodde (Mallotus villosus) und vom norwegischen frühjahrslaichenden Hering. Starke natürliche Populationsschwankungen der Lodde beeinflussen das Wachstum, die Reife und die Fruchtbarkeit des Kabeljaus. Indirekt beeinflusst die Lodde auch die Nachwuchsproduktion des Kabeljaus: In Jahren mit niedrigem Vorkommen der Lodde ist der Kannibalismus beim Kabeljau sehr ausgeprägt. [939] [942]

Wer und Wie

Das Management erfolgt durch Norwegen; seit 2011 ist ein Wiederaufbauplan in Kraft. Der Plan wurde vom ICES vorläufig positiv bewertet (als in Übereinstimmung mit dem Vorsorgeansatz). Die erwartete Fangmenge für diesen Bestand wird im Rahmen der norwegischen Quote für den Nordost-Arktischen Kabeljau ausgewiesen. Der Bestand wird somit faktisch über eine kombinierte Quote für beide Kabeljau-Bestände bewirtschaftet. Es gelten außerdem die gleichen Maßnahmen wie für den Nordost-Arktischen Bestand: Mindestfanggrößen, Festlegung minimaler Maschenöffnungen, Sortiereinrichtungen, maximal zulässiger Beifang von juvenilen Fischen, Echtzeitschließungen, Gebietsbeschränkungen und saisonale Schließungen. Darüber hinaus gibt es Regularien, die speziell den Küsten-Kabeljau schützen sollen, wie saisonale und ganzjährige Gebietsschließungen an der Küste und in Fjorden z.B. für bestimmte Fanggeräte. Diese Schließungsmaßnahmen und Auflagen sollen Teile der traditionellen Fischerei aus den Fjorden vor die Küste verlagern, wo der Anteil von norwegischem Küsten-Kabeljau in den Fängen geringer ist. [939] [941] [942]

Differenz zwischen Wissen­schaft und Management

Der ICES empfahl bereits seit 2004 die Entwicklung eines Wiederaufbauplanes und die Einstellung der Fischerei auf norwegischen Küsten-Kabeljau. Das Management ist dieser wissenschaftlichen Empfehlung bis 2011 nicht gefolgt. In der kombinierten Quote mit dem Nordost-Arktischen Kabeljau wird ein kleiner Teil dem Norwegischen Küsten-Kabeljau zugeordnet. Die Fänge von Küsten-Kabeljau werden dadurch jedoch nicht effektiv reguliert, da bei der Anlandung keine Zuordnung zu einem der zwei Bestände stattfinden kann. Am Ende eines Fischereijahres werden die Anlandungen des Küstenkabeljaus aus den Fängen innerhalb der 12 sm-Zone durch eine Analyse der Gehörsteinchen abgeschätzt (siehe auch unter „Biologische Besonderheiten“). Die so ermittelten Anlandungen lagen meist über den für den Küstenkabeljau vorher angenommenen kommerziellen Fangmengen. 2011, 2012 und 2015 lagen die Anlandungen 38%, 52% und 86% über den erwarteten kommerziellen Fängen aus diesem Bestand. Insgesamt konnten die Regularien zum Schutz des Küstenkabeljaus nach 2004 keine weitere Reduzierung der Anlandungen bewirken. [324] [939] [941] [942]

Karten

Verbreitungsgebiet

Managementgebiet

Der Norwegische Küsten-Kabeljau ist entlang der norwegischen Küste von der Kola-Halbinsel im Nordosten bis Møre im Süden (62°N) und in den Fjorden verbreitet. Er kann ganzjährig vermischt mit dem Nordost-Arktischen Kabeljau angetroffen und gefangen werden, wird aber als getrennter Bestand begutachtet. Möglicherweise handelt es sich bei den Populationen in einigen Fjorden um eigenständige Bestände. [939] [942]

Anlandungen und legale Höchstfangmengen (TACs) (in 1.000 t)

Gesamtfang2015: Anlandungen (kommerziell): 39,5; davon Kiemennetze 40%, Snurrewaden 34%, Haken und Langleinen 24%, Grundschleppnetze 2%, hinzu kommen geschätzt jährlich etwa 12,7 kt Fänge in der Freizeitfischerei
TACs (Bestandteil der norw. Quote für Nordost-Arktischen Kabeljau) 2007: 21 2008: 21 2009: 21 2010: 21 2011: 21 2012: 21 2013: 21 2014: 21 2015: 21 2016: 21 [939] [941] [942]

IUU-Fischerei

Es gibt keine Hinweise mehr auf illegale oder unberichtete Fänge aus diesem Bestand aus der Berufsfischerei. Falsch berichtete Fänge waren früher ein Problem, konnten aber seit 2000 auf jetzt Null reduziert werden. [939] [942]

Struktur und Fangmethode

Der Norwegische Küsten-Kabeljau wird vor allem küstennah von kleinen Schiffen mit traditionellen Geräten gefangen. Zum Einsatz kommen Kiemennetze, Haken und Langleinen und Snurrewaden (Danish Seines). Es gibt aber auch einige größere Schleppnetz- und Langleinenfischer, die vor der Küste fischen. Der Bestand wird formal nur von norwegischen Schiffen gefangen, ein kleiner Teil ist aber wahrscheinlich auch Beifang von ausländischen Trawlern, die Nordost-Arktischen Kabeljau, Schellfisch oder Seelachs fischen. Lokal spielt auch die Entnahme durch die Freizeitfischerei eine große Rolle. [39] [939] [942]

Beifänge und Rückwürfe

Der norwegische Küsten-Kabeljau wird selbst auch als Beifang in der gemischten Fischerei mit Nordost-Arktischem Kabeljau sowie in der Seelachs- und Schellfisch-Fischerei gefangen. Rückwürfe von quotierten Arten wie Kabeljau sind in Norwegen illegal, es gibt aber Hinweise, dass Rückwürfe aus diesem Bestand dennoch vorkommen. [39] [939] [942]

Einflüsse der Fischerei auf die Umwelt

In Kiemennetzen können Seevögel und Meeressäuger beigefangen werden, küstennah z.B. Schweinswale. In der Langleinenfischerei kann es zu Seevogel-Beifang kommen. Verlorengegangene Geräte wie Kiemennetze können für eine gewisse Zeit weiterfischen (ghost fishing). Der Einfluss des „ghost fishing“ ist noch nicht quantifiziert worden, ist in flachen Bereichen (kleiner 200 m Wassertiefe) aber kein signifikantes Problem. Grundschleppnetze machen in dieser Fischerei nur einen sehr geringen Prozentsatz aus. Durch den Einsatz von Grundschleppnetzen können Bodenlebensgemeinschaften geschädigt werden. Artenzusammensetzung, Biomasse und Nahrungsgefüge können sich erheblich verändern. In der Nordost-Arktis können Grundschleppnetze vor allem einen negativen Effekt auf empfindliche Bodenlebewesen-Gemeinschaften haben die auf Hartsubstrat vorkommen. Besonders empfindlich sind Schwämme und Kaltwasser-Korallen. Die Kartierung der Kaltwasser-Riffe schreitet stetig voran, auch Fischer versuchen den Kontakt mit Riffen zu vermeiden, um ihr Gerät zu schonen. In einigen Gebieten ist zum Schutz dieser Riffe der Einsatz von Grundschleppnetzen verboten. [7] [8] [30] [83] [39] [149] [939] [942]

Biologische Besonder­heiten

Das Vorkommen des norwegischen Küsten-Kabeljaus überlappt sich mit dem des Nordost-Arktischen Kabeljaus. Beide Bestände können daher gemeinsam in den Fängen der küstennahen Fischerei (innerhalb 12 sm) vorkommen, insbesondere im ersten Halbjahr, wenn der Nordost-Arktische Kabeljau zum Laichen an die Küste wandert. Um die Anlandemengen für den norwegischen Küsten-Kabeljau zu bestimmen, muss eine Bestandstrennung vorgenommen werden. Für die Trennung werden am Ende des Fischereijahres die gesammelten Gehörsteinchen (Otolithen) herangezogen, deren Struktur sich zwischen den Beständen vor allem im Kern unterscheidet. Anhand des Anteils von Küstenkabeljau unter den gesammelten Otolithen werden die Gesamtanlandungen der Berufsfischerei aus dem jeweiligen Bestand berechnet. [939] [942]

Zusätzliche Informationen

Der norwegische Küsten-Kabeljau spielt eine große Rolle in der Freizeitfischerei (seit 2009 wird von jährlich etwa 12.700 t ausgegangen also von ca. 25% der Gesamtfangmenge aus dem Bestand). [939] [941] [942]

Zertifizierte Fischereien

Es ist keine Fischerei auf den Norwegischen Küsten-Kabeljau nach einem der gängigen Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert.

Soziale Aspekte

Dieser Bestand wird hauptsächlich von norwegischen Fahrzeugen befischt, die Arbeitsbedingungen an Bord und die Entlohnung erfolgt daher nach norwegischem Recht. [13] [39] [939] [942]

Marktdaten: Verschiedene Kabeljau-/Dorscharten auf dem deutschen Markt zusammengefasst.

2022 (vorl.): Verbrauch in Deutschland: 28.053 t (2021: 18.026 t), Marktanteil (Fische, Krebse, Weichtiere): 2,5 % (2021: 1,6 %) [13] [14]

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Klassifizierung nach dem Ansatz des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrages (MSY), durch den ICES bis 2020 oder analog zu dessen Einteilung:

SymbolBiomasseBewirtschaftung (fischereiliche Sterblichkeit)
innerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertangemessen oder unternutzt
außerhalb der Schwankungsbreite um den Zielwertübernutzt
Zustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende DatenZustand unklar, Referenzpunkte nicht definiert und/oder unzureichende Daten
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